Royale Blässe

Wenn mein Freund David nachts im Winter eine Doku auf N24 über eine Sonnenfinsternis schaut, bekommt er einen gleichmäßigen, tiefbraunen Teint. Ohne Abdrücke. Porentief. Sogar an den schwierigen Stellen, wie den Handinnenflächen, den Kniekehlen oder zwischen den Brunzkugeln und dem Warenausgang. Ich hingegen habe schon häufiger darüber nachgedacht den Satz „Kind, du siehst blass aus, bist du krank?“ patentieren zu lassen. Dann kann ich immer … Royale Blässe weiterlesen

Max

Max ist der erste und einzige Mensch auf der Welt, dem ich schon mal die Haare abgebrochen habe. Mein einziges Highlight im Mathe GK in der Oberstufe. Jeden Donnerstag erste und zweite Stunde bei Herrn Endenich. Max kommt vom Land wech und fährt schon seit immer jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule. In den Wintermonaten um 2005 herum, als das Thermometer langsam den Mittelfinger … Max weiterlesen

Der weiße Thai

Bedrohlich erheben sich links und rechts zwei unförmige Berge, die in ein aschfahles Grau gehüllt sind. Die borstigen Sträucher lassen geschlagen ihre Köpfe hängen. Das letzte Mal, dass hier ein Sonnenstrahl vordrang, ist gut und gerne zwei Dekaden her. Trotzdem ist es unerträglich stickig. Über allem wabert ein modriger Schwefelgeruch und durch die flirrende Hitze bilden sich stinkende Pfützen, die sich grünschimmernd in der … Der weiße Thai weiterlesen

One Rule

„Wenn es nicht piepst, dann ist es wohl umsonst.“ Die Rewe-Kassiererin starrt den Mann, der grade eine große Packung extra flauschiges Klopapier kaufen will, lange in die Augen. Durch sein verkrampftes Lächeln formt der junge Kerl nervöse Lachgeräusche, die wie das Kläffen eines süßen kleinen Hundebabys klingen, dem aber unangenehm ist, dass sich sein Bellen … One Rule weiterlesen

In Dien

Vor ungefähr 4,6 Milliarden Jahren entstand durch viele glückliche Zufälle unser Planet. Immer wieder kollidierten größere und kleinere Gesteinsbrocken mit Geschwindigkeiten von mehreren tausend Stundenkilometern mit unserer Erdoberfläche. Diese Oberfläche war ein feindseliger Ort, durchzogen von Flüssen und Seen aus geschmolzenem Gestein. So in etwa sieht mein Magen nach einem ausgiebigen Mittagessen aus. Anders als … In Dien weiterlesen

Axel

Lange bevor die Deutsche Mark dem Euro wich, hatte ich schon meine erste persönliche Inflation durchgemacht. Nicht, weil meine Kindheit in Zimbabwe war – ganz behütet in Kempen am Niederrhein bin ich aufgewachsen. Die Finanzkrise fand im Kinderzimmer meines Bruders statt. In einem verträumten Playmobildorf im Wilden Westen waren mein Cousin Axel und mein Bruder … Axel weiterlesen

On y va!

Habe jetzt fertig. In Nomadensprache meine Zelte abgebaut. Das Zimmer in der Wohnung meines Bruders riecht nur nach den Geistern meiner Püpse. Mein Bett habe ich an Bedürftige verschenkt und das Gros meines Kladderadatschs in Kisten gepackt. Dann nachgeschaut, wie man ‚das Gros‘ schreibt. Später gewundert, warum man in Zeiten von ‚Cro‘ und das ‚Das … On y va! weiterlesen

Der Blog

Der Plan ist alle zwei bis vier Wochen einen Text hochzuladen. Bei einem Jahr Weltreise sind das 13 bis 26 Einträge. Da ich das just in diesem Moment zum ersten Mal mathematisch erfasst habe, verabschiede ich mich auch schon wieder von diesem abstrus ambitionierten Alliterations-Aktionismus und lade nur dann was hoch, wenn ich Lust drauf habe. Aber … Der Blog weiterlesen